Europa

07.02.2017

Wie Fliegen auf den Kuhfladen!

Der Vertrag von Maastricht hat Jubiläum. Doch kaum jemand jubelt. Man kommt wohl nicht daran vorbei, dass es mit der sozialen Gerechtigkeit in Europa nun doch nicht soweit her ist. Schuldige hat man gleich ausgemacht. Zumindest in Deutschland. Die meisten Kommentatoren aus Wirtschaft und Politik sind sich einig, es sind die Südeuropäer die einfach nicht ihre Hausaufgaben machen und natürlich der Euro. Darauf stürzen sich alle. Wie die Fliegen auf den Kuhfladen. Man sagt für die deutsche Wirtschaft sei er total unterbewertet und damit für die Südeuropäer zu teuer. Deren Waren könnten da nicht mithalten. Ja geht’s denn noch?

Italien, Spanien, Portugal und auch Frankreich weigern sich hartnäckig einen ähnlichen sozialen Kahlschlag wie die rot/grüne Agenda 2010 durchzuführen. Hier in D fand eine drastische Senkung der Lohnstückkosten statt. Lohnstückkosten das sind Löhne und Produktivitätszuwachs. Die Löhne wurde in Deutschland zwölf Jahre eingefroren. Billiglohn usw. machten die Sache rund. Die durch Automation und Rationalisierung erzielten Produktivitätsgewinne gingen an die Shareholder (Dividenden) und Vorstände (Boni). Man nennt das auch Raubtierkapitalismus. Durch diese Maßnahmen wurden die in Deutschland produzierten Güter natürlich immer preiswerter. Für die Konkurrenz im Ausland ein riesiges Problem.

Eine Gegenmaßnahme wäre ja, nun die gleichen Maßnahmen wie in Deutschland durchzuführen. Nur gibt es in Griechenland, Italien, Frankreich und Spanien anders als in Deutschland Gewerkschaften mit Eiern in der Hose und Regierungschefs die sich auch für die Arbeiter interessieren. Italien, Frankreich, usw. halten ihre Sozialstandards. Gut so.

Nun kommen einige Schlaumeier, egal von links oder rechts auf die Idee mal auf den Kuhfladen Euro zu schauen und flugs ist er der Schuldige. Dauert auch nicht lange, schon ist der Haufen Scheiße schwarz von Fliegen. Spricht sich ja um. Um den Haufen summt brummt es. Austritt, nationale Stärke usw. in dieser Konzertanz sind sich rote, grüne, gelbe, schwarze und braune (in Deutschland ist das Parteienblau im Übrigen braun) einig. Hätten wir den Haufen (Scheiße Kuhfladen) nicht. Alles wäre gut. Jedes Land könnte abwerten und so billiger werden. So summt und brummt es.

Da fasste dich annen Kopp. Würde man in Wanne-Eickel sagen.

Ja glaubt ihr hoch studierten Narren eigentlich selbst was ihr da faselt? Die eigene Währung abwerten bedeutet, dass sofort eine Reaktion auf den Finanzmärkten erfolgt. Die Ratingagenturen kommen ins Spiel und die Staatsfinanzierung, die zum Leidwesen der Staaten selbst und zum Nutzen der Großanleger, auf dem freien Kapitalmarkt erfolgt, wird teuer. Der Sozialstaat den man eigentlich retten will, geht auf diesem Wege zu Grunde. Davon dass durch Abwertung eine gewaltige Spekulation in Gange kommt, davon redet niemand. Auch nicht über die Reaktion des Wirtschaftsgiganten Deutschland.

Nehmen wir doch folgendes mal an: Euro ist weg. Es gibt wieder Lire, Franc, Peseten, Drachmen und DM. Wie sieht die Welt dann am Punkt Null aus. Griechenland hat eine Währung die kein Mensch auf der Welt will und einen gigantischen Berg Schulden. Der bleibt im Wert aber in €. Wird aber tatsächlich noch größer, weil der Wert der Drachme zum € ins bodenlose fällt. Schon deshalb könnten die den Laden sofort dicht machen.

Aber nehmen wir mal an, das mit den Schulden könnte man regeln. Ginge ja schon jetzt. Die EZB könnte die griechischen Schulden locker in ihre Bilanzen nehmen. Die EZB ist ja eine Notenbank und unterliegt nicht den Bilanzregeln einer Geschäftsbank.

Also Schulden für die Griechen kein Thema. Nun geht’s ab. Alle Welt kauft griechische Produkte. Ähh, welche? Den Sand von Rhodos oder weiße Rosen aus Athen?

Da is nix was die verkaufen könnten. Weil alles platt ist. Sogar die Tomaten für den griechischen Salat muss Alexis beim Holländer kaufen. „Nee dat wird nix“. Würde man in Wanne sagen.

In Italien und Frankreich nicht viel anders. Die haben ja noch einen Rest an Produktion für den internationalen Markt. Abwerten wäre eine Hilfe. Zunächst.

Dann käme der Wirtschaftsgigant D ins Spiel. Wer glaubt denn das die Konzerne sich die Butter vom Brot nehmen lassen. Der schöne Preisvorteil wäre ja weg und damit der Profit. Gibt dann nur noch zwei Möglichkeiten. Eine zweite Agenda 2010 oder 30, oder abreißen die Zelte und ab ins Ausland. Will das jemand?

Und soweit habt ihr Flassbecks, Sinns, usw. nicht gedacht?

Es gibt nur eine wirkliche Lösung für Europas Probleme. Gleiche Standard, bei Steuern, Lohn und Rente. Der Schwache bekommt Hilfe vom Starken. Das geht nur mit dem Euro. Das ist Solidarität. Hört auf mit der Lehre, das alle Nationen Exportweltmeister werden müssen.

05.02.2017

Was sind eigentlich „westliche Werte“?

Man hört es oft. Es gilt westliche Werte zu verteidigen.

Westliche Werte?

Sind das Abkommen mit Despoten um Menschen in Not, gegen Zahlung von viel Geld, in elendigen Lagern wie Vieh zu halten.

Sind das Handelsabkommen, die nicht den Austausch von Waren und Kultur zum gegenseitigen Nutzen, sondern der Machtstabilisierung von Großkonzernen dient?

Sind das Kotaus vor den durchgeknallten Präsidenten von Großmächten?

In Jordanien z. B. einem bitterarmen Land, werden Hilfesuchende millionenfach versorgt. Ohne Klage, mit einer bewundernswerten Selbstverständlichkeit.

In Malta trafen sich die Regierungschefs des steinreichen Europa um zu verabreden, dem chaotischen Lybien Milliarden in den Hals zu werfen um Flüchtlinge den Weg nach Europa zu verwehren.

Sind diese Handlungen Beleg für „westliche Werte“?

Dann wird es Zeit, dass Länder wie Jordanien weit oben auf die Werteskala der Welt gesetzt werden.

Dann wird es Zeit für die Ächtung von Regierungen, die Abkommen wie die von Malta unterzeichnen.

19.01.2017

Brexit und alles wird besser? Weit gefehlt

Wer muss sich denn vor dem Austritt der Briten aus der EU fürchten? In erster Linie die Verbraucher und kleinen Leute Großbritannien selbst. Sie sind hereingefallen auf das nationalistische Getöse eines Boris Johnson und Nigel Farage und werden die Zeche bezahlen. Schon jetzt hat das britische Pfund um 20% abgewertet. Für die Verbraucher ist das fatal. Es bedeutet höhere Preise und steigende Inflation. Unter Mithilfe der Politik von Thatcher und Blair wurde das Land weitestgehend deindustrialisiert. In 2015 betrug der industrielle Anteil am BIP noch knapp 9%, daher muss fast alles, was man täglich braucht importiert werden. Das britische Handelsbilanzdefizit lag im Jahr 2015 bei ca. 150 Mrd. €. Lange Zeit war das unproblematisch, wurden doch die britischen Haushalte stets aufgefüllt durch einen boomenden Finanzsektor und dank stabilem Pfundkurs, soliden Einnahmen aus Export von Nordseeöl und Gas. Das Alles wird nun anders und die Zeche bezahlen die kleinen Leute. Denn, wer glaubt denn daran dass nun verstärkt im Inland produziert wird? Die Nationalisten erzählen das gerne, verschweigen aber das der Neuaufbau ganzer Industrien Dekaden dauert. Selbst wenn die Absicht dazu besteht, ist das Gelingen äußerst zweifelhaft. Das Angebot billiger Verbrauchsgüter auf dem Weltmarkt bleibt ja bestehen und ließe sich nur durch hohe Zölle vom britischen Markt fernhalten. In jedem Falle steht den Briten eine Verteuerung des Lebensunterhalts ins Haus. In doppelter Hinsicht. Durch den Verfall der eigenen Währung und durch zwangsläufig erforderliche Steuererhöhungsrunden. Hoffentlich sind die Ereignisse in England für all diejenigen eine Mahnung, die gerne den Nationalisten folgen. Denn besser wird es den Briten durch den Brexit nicht gehen.

05.01.2017

Die Schulden der Europäischen Partner und was wir damit zu tun haben.

Antwort auf einen Leserbrief zu:  Nicht mehr hinnehmbar WN vom 05.01.2017

Ach wenn es doch wirklich so einfach wäre, wie der Leserbriefschreiber aus Wettringen die Situation in Europa beschreibt. Zu allererst ein Verweis auf die Staatsschulden anderer Mitgliedsländer. Das kommt insbesondere bei den Deutschen gut an. Was haben wir mit den Schulden der Nachbarländer zu tun? Ein Postulat, mit dem vor allen Dingen die rechtsnationale AfD punktet. Allerdings ist das viel zu oberflächlich dargestellt.

Richtig ist, dass der EU Grundlagenvertrag eine Schuldenübernahme anderer Länder ausschließt. Richtig und wichtig ist aber auch, dass Handelsbilanzüberschüsse die 2,0 % des BIP übersteigen, nicht sein dürfen. 2015 waren es in Deutschland aber über 8% und er steigt weiter, da liegt das Problem. Die Schulden der europäischen Volkswirtschaften, haben in hohem Maße etwas mit der starken deutschen Wirtschaft zu tun. Ein Blick auf Target 2 bringt Bestätigung und Klarheit. Deutschland verfügt über ein Haben von 754 Mrd. €. Das Gegenkonto ist die Verschuldung der EU Partner.

Nicht zuletzt die Agenda 2010 hat zu diesem Missverhältnis beigetragen. Durch Einführung des Billiglohnsektors wurden die deutschen Lohnstückkosten radikal gesenkt. Zum Leidwesen der anderen europäischen Ökonomien. Diese konnten dem Preiskampf wenig Widerstand entgegensetzen. Es sei denn man würde den Sozialstaat in ähnlicher Weise schleifen wie es die Deutschen getan haben. Festzustellen ist auch, dass der deutsche wirtschaftliche Erfolg nicht gerecht im eigenen Land verteilt wird. Es gäbe sonst eine zunehmende Armut nicht

Über die geschilderten Zusammenhänge spricht aber auch Dr. Pieper nicht. Wo man die nötigen Informationen bekommt? Ein paar Klicks im Internet genügen. Aber nachplappern ist ja soviel einfacher.